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THG-Vorträge: ZDF-Journalist Elmar Theveßen

Prof. Dr. Michael Hüther  

Bericht von Theresa Usbeck, Stufe 13

20.11.2006 - Es war ein interessantes, wenn auch unangenehmes Thema, über das Terrorexperte Elmar Theveßen am Donnerstag referierte.
New York, Casablanca, Madrid, London - in den vergangenen Jahren wurde die Welt regelmäßig von Terroranschlägen erschüttert.
Erforscht man heute, fünf Jahre nach dem 11. September, die Hintergründe dieser Attentate, stellt man einen Wandel fest. "Die Anschläge auf das World Trade Center waren noch von einer kleinen Gruppe organisiert, die lediglich ein paar tausend Mitglieder umfasste.

 

Heute herrscht ein loses Netzwerk vieler Einzeltäter, denen man schwerer auf die Schliche kommt", beschreibt Theveßen. Oft hätten diese Täter gar keinen direkten Kontakt zum Terrornetzwerk Al-Qaida, seien also nicht in feste Strukturen eingebunden. Gemeinsam sei ihnen jedoch die Gesinnung, die oft aus einer extremen Auslegung des Koran resultiert, wie sie von manchen Islamisten gelehrt werde.


Zur Verdeutlichung dieser These gab Theveßen eine "besondere" Ausgabe des Koran durch die vollbesetzten Reihen. Neben dem Originaltext in Arabisch und der englischen Übersetzung enthielt dieser handschriftliche Fußnoten, die Rückschlüsse auf die individuelle Interpretation einiger Suren zuließen. Theveßen verwies auf ausgewählte Stellen, in denen es beispielsweise heißt: "Tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, vertreibt sie, wo sie euch vertrieben haben", oder "Wenn ihr euch nicht auch verbündet, dann wird es Krieg".


Unter letzterem Vers hieß es in der Fußnote: "Es herrscht der rechtliche Zwang, sich unter einem Kalifen zu vereinigen." Solche aus dem Kontext gerissenen Zitate machten es Hasspredigern leicht, fruchtbaren Boden für ihre Lehren zu finden. Dies gelte vor allem für die überwiegend sehr junge und rechtlose Bevölkerung arabischer Staaten, die unter schwierigen Bedingungen aufwachse.
In diesem Sinne erzählte Theveßen von Interviews, die er mit jungen Muslimen geführt hat. Darin hätten sich die Befragten offen dazu bekannt, dass sie Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan und im Irak als Mittel der Selbstverteidigung akzeptierten. Anschläge in westlichen Ländern seien nicht in Ordnung, aber von einigen dieser jungen Muslime als Mittel zum Zweck akzeptiert, um so indirekt Ziele im Irak oder anderswo zu erreichen. Theveßen bemühte sich auch an dieser Stelle um Differenzierung. "Nur ein sehr kleiner Teil der Muslime glaubt an dieses Gedankengut. Der Großteil lehnt es ab."


Was kann man nun tun, um dem Terrorismus Herr zu werden? Einfach ist die Antwort nicht. Abgesehen davon, dass sich der Jihad zu einem individuellen Prozess verwandelt hat und Al-Qaida von einer Terrororganisation zu einer Weltanschauung mutiert, revolutionieren neue Medien die Kommunikation. "Heute ist es nicht mehr nötig, ein Trainingslager in Afghanistan zu besuchen", so der 40-jährige Journalist aus Mainz. Vielmehr habe sich das Internet als Quelle zur Verbreitung radikalen Gedankengutes etabliert. Von der Anleitung zum Bau einer Selbstmordattentäterweste bis zu Verfilmungen kleinerer Anschläge im Irak kann man sich heute problemlos im world wide web zum Attentäter schulen."Der erfolgreiche Sieger im Krieg gegen den Terrorismus ist im Moment Osama bin Laden."
Für eine erfolgreiche Terrorbekämpfung erachtet Theveßen es als wichtig, dass die Missionen in Afghanistan und im Irak "Erfolge" werden. "Man darf ein Land nicht im Chaos verlassen und man darf es auch nicht einem noch radikaleren Regime als zuvor überlassen", findet der Experte. Theveßen forderte zudem zur Diskussion mit fremden Kulturen und Religionen auf. Damit meine er allerdings keinen "Kuschel-Dialog", sondern eine fruchtbare Auseinandersetzung. Viele Muslime suchten den Dialog, könnten diesen jedoch nicht finden.

Elmar Theveßen im Gespräch mit einem Schüler

Nach knapp 90 Minuten spannender Informationen, die Theveßen mit Original-Materialien des ZDF untermauerte, brach unter den zahlreichen Schülern, Ehemaligen und Auswärtigen donnernder Applaus aus.

Schulleiter Achim Beyer bedankte sich herzlich für den "hoch differenzierten und interessanten" Vortrag seines ehemaligen Studienfreundes der Uni Bonn. Man darf gespannt sein, wen Beyer mit finanzieller Unterstützung von Förderverein und Sparkasse als nächsten Referenten auftreiben wird. . .
Schulleiter Achim Beyer und ZDF-Journalist Elmar Theveßen
 
       

 

 

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