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Offener Brief zum Thema "Umbaumaßnahmen am THG"

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern des THG,

in den vergangenen Wochen haben Sie vieles über die anstehenden Umbaumaßnahmen wegen der Brandschutzauflagen und der deutlichen Raumknappheit am THG in der Presse gelesen und sicherlich auch in Gesprächen in der Stadt gehört. Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen Sie mit diesem Schreiben über den Stand der Dinge zu informieren und einige häufig genannte Argumente hinterfragen und erläutern. Leider ist festzustellen, dass viele Dinge nicht mit der nötigen Sorgfalt angesprochen und durchdacht oder nur unvollständig wiedergegeben werden.

Die Schulleitung, die Stadtverwaltung, alle Fraktionen des Stadtrates und eine Gruppe von sachkundigen Elternvertretern haben den Sachverhalt des Raumangebotes am runden Tisch diskutiert. Dabei wurden die rechtlichen Grundlagen, die Rahmenbedingungen und die zukünftige Entwicklung in Radevormwald in allen Aspekten beleuchtet. Die Verwaltung einerseits und Schulleitung und Eltern andererseits haben die von allen akzeptierten Fakten durchgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Raumangebot am THG gravierend zu klein ist.

  • Bei den normalen Klassenräumen sind die Räume nicht in der notwendigen Größe vorhanden.
  • Es fehlen Mehrzweckräume.
  • Zusätzlich fehlen mehrere naturwissenschaftliche Fachräume.
  • Es fehlen große Flächen im Bereich einer Bibliothek/Mediothek.
  • Es ist keine Aula vorhanden.

 

Diese Tatsachen wurden von beiden Gruppen einhellig als zutreffend anerkannt. Auch nachträglich eingetretene Änderungen der rechtlichen Grundlagen oder die neuerliche Fortschreibung des Schulentwicklungsplans haben das Ergebnis nicht verändert. Der Raumbedarf ist gegeben und die Stadt ist verpflichtet diesen Mangel, insbesondere bei der Durchführung bedeutender Baumaßnahmen wie der Brandschutzsanierung zu beheben. Diese Fakten werden auch von der Verwaltung nicht bestritten.

Ich möchte hier einige Argumente unserer Lokalpolitiker, die in diesem Zusammenhang oft genannt werden, kommentieren:

  • „Es fallen doch demnächst Schuljahre weg, da das Abitur nach 12 Jahren gemacht wird.“
    Diese Entwicklung wurde selbstverständlich berücksichtigt. Sie führt bis 2013 zu einem erhöhten Bedarf an Klassen. Erst danach sinkt der Raumbedarf leicht.
  • „Die Schülerzahlen sinken bereits in den nächsten 3 – 4 Jahren; dann braucht man die Räume nicht mehr.“
    Wenn Schülerzahlen sinken, kann der Bedarf an Räumen sinken; er muss aber nicht. Das ist leicht zu verstehen, wenn man sich vorstellt, 25 Klassen einer Schule hätten 30 Schüler. Wenn aus jeder Klasse 3 Schüler ausscheiden, fehlen 75 Schüler, aber man braucht weiterhin 25 Klassen und damit Räume. Daher haben wir die gesamte Entwicklung in Radevormwald geprüft. Der Raumbedarf am THG steigt und wird bis 2013 höher sein als heute.
  • „Wenn naturwissenschaftliche Räume fehlen, kann man ja andere Schwerpunkte bilden und in anderen Fächern mehr machen.“
    Dies ist leider in Zeiten der zentralen Abschlussprüfungen und stark reglementierter Prüfungsordnungen nicht zulässig. Außerdem sind an Stelle der naturwissenschaftlichen Räume ja keine weiteren Räume vorhanden, in denen anderer Unterricht gemacht werden könnte. Der Platz fehlt also auf alle Fälle.
  • „Die Schulleitung des THG wünscht sich eine Aula. Man muss erst einmal den Grundbedarf betrachten. Außerdem hat man ja noch das PZ.“
    Die Aula ist kein Wunsch, sondern in den Richtlinien des Landes NRW zwingend vorgeschrieben. Ihr Vorhandensein ist für den ordnungsgemäßen Unterricht erforderlich. Das PZ ist nicht für Unterricht geeignet, da es als Flur- und Wegfläche dient. Ungestörter Schulunterricht oder gar Klassenarbeiten sind im PZ nicht möglich.
  • „Eine Bibliothek und Mehrzweckräume sind ja ganz schön, aber Bücher kann man auch anderweitig lagern.“
    Es geht hier nicht um das Lagern von Büchern, sondern um das selbständige Arbeiten mit Literatur und neuen Medien. Zudem sind auch diese Räume rechtlich begründbar. Die zentralen Prüfungen und die allgemeinen Lehrpläne schreiben selbständiges Arbeiten in der Schule vor. Diese Arbeiten können Schüler nicht – wie es derzeit geschieht – auf dem Fußboden der Gänge erledigen.

 

Ein weiterer Aspekt geht in der Diskussion völlig unter. Die heutigen Richtlinien für den Bedarf an Räumen gelten bis 2010. Die Landesregierung hat schon heute eine Reihe von Programmen zur Qualitätsverbesserung an Schulen ins Leben gerufen oder hat sie in Planung. Ich möchte hier nur an das Programm der Förderung an Realschulen erinnern, die zur Einrichtung von Lernstudios, unter anderem auch an der Rader Realschule, geführt haben. Es ist damit zu rechnen, dass in Kürze auch weitere Programme aufgelegt werden. Es kann mit höchster Wahrscheinlichkeit erwartet werden, dass in der Zukunft an den weiterführenden Schulen ein höherer Raumbedarf durch die Richtlinien gefordert wird.

Der Bedarf am THG ist unstrittig vorhanden. Es wundert, dass in der Lokalpolitik mit verschiedenen Mittel versucht wird, den Bedarf, den die Fraktionen mit ermittelt haben, einerseits zu bezweifeln, andererseits das Fehlen von Unterlagen vorzuschieben. Auch uns steht nicht ein umfassender Plan zur Verfügung, der alles bis zum letzten Nagel im THG enthält. Die vorliegenden Unterlagen sind aber völlig ausreichend und eindeutig. Sie lassen keinen anderen Schluss zu, als dass ein Neu- und Anbau geschaffen werden muss. Wir wünschen uns von allen Parteien ein klares Bekenntnis zu einer hochqualitativen Schulausstattung in Radevormwald und konstruktives, rasches Handeln, aber keine kleinkarierten Verzögerungsspielchen. Man darf hier auch nicht vergessen, dass die ganzen Verzögerungen dazu geführt haben, dass unsere Kinder seit Jahren in einer Schule unterrichtet werden, die nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn hier etwas geschieht?

Wie weit die Radevormwalder Parteien eine gute Ausbildung für unsere Kinder unterstützen, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Ich empfehle jedem, die öffentlichen Sitzungen des Schulausschusses (13.11.2007) und des Bauausschusses zu besuchen und sich seine eigene Meinung zu bilden.

Die Schulpflegschaft wird die weitere Entwicklung engagiert weiter mitgestalten.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Bernd Richter
Schulpflegschaftsvorsitzender des THG

 

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