Sybille Möckl, Rheinische Post vom 10.06.2011

Die THG-Schülerin Carolin Wefer gewinnt einen Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2011. Das Thema der Abiturientin ist die Pleite der Kölner Privatbank Herstatt aus dem Jahr 1974.

37 Jahre ist es her, als die Kölner Herstatt-Bank in den Konkurs sauste. Die bis dato größte Bankenpleite sorgte für viel Wirbel. Genau damit beschäftigte sich die Abiturientin Carolin Wefer (19) jetzt noch einmal: für den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2011“. Mit ihrer Arbeit zum Thema „Die Insolvenz der I. D. Herstatt KGaA Köln“ gewann die Abiturientin des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) einen der Förderpreise, die mit je 100 Euro dotiert sind.

Spannendes Zeitzeugen-Interview

Auf 40 Seiten erläutert die 19-Jährige die Insolvenz der Herstatt-Bank im Jahr 1974 und untersucht die nachfolgenden Prozesse der Jahre 1979 und 1984. In ihrer Arbeit stellt sie auch den Zusammenhang zur Bankenkrise 2008 dar und die jüngsten Geschehnisse um die Sal. Oppenheim-Bank, die kapitale Fehlinvestitionen an den Rand der Pleite brachten. „Das Spannendste an der Recherche war aber das Interview mit dem Zeitzeugen“, erinnert sich Wefer.

Einen 82-jährigen Anleger der Bank hat sie befragt. Von ihm erfuhr sie, wie schockierend die Pleite des Unternehmens für die Menschen war. „Irgendwie hatte damals wohl niemand damit gerechnet“, berichtet Wefer. Die persönliche Seite einer solchen Krise gebe noch einmal ganz andere Einblicke in die Geschichte. Sechs Monate lang wertete die Abiturientin Literatur und zeitgenössische Presseberichte aus, bis die Arbeit fertig war. Ein Exemplar hat sie der Schule zur Verfügung gestellt.

977 Schüler aus NRW

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der jedes Jahr von der Körber-Stiftung ausgelobt wird, ist der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland. Aus NRW waren in diesem Jahr 977 Schüler mit 361 Beiträgen dabei. Nun stehen die Landesergebnisse fest: 78 Beiträge wurden mit einem Preis für den Landessieg, 79 mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Insgesamt reichte die Spannbreite der Themen von lokalen Umweltskandalen über kontroverse Theateraufführungen bis zu antisemitischen Rufmordkampagnen. „Mit wachsamen Augen durchleuchteten die Jugendlichen die Rolle von Politik, Medien und Publikum“, sagt Sven Tetzlaff, Leiter der Bildungsprojekte der Körber-Stiftung.

Erst vor zwei Jahren teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Pricewaterhouse Coopers“ mit, dass sie sich letztmalig an die Gläubiger der Herstatt Bank wendet. Damit wurde dann auch dieses Kapitel der Geschichte beendet. Im Leben von Carolin Wefer beginnt bald ein neues: Im Oktober geht sie nach England: Dort wird sie „Internationale Beziehungen“ studieren.