Flora Treiber, RP vom 16.06.2012

Der Literaturkurs des Gymnasiums führt Ödon von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ auf. Erstmalig waren zwei Kurse beteiligt – in der Pause wechselten die Schauspieler. Das Publikum war angetan von der Aufführung.

Zwei Literaturkurse des Theodor-Heuss-Gymnasiums führten am Donnerstag gemeinsam das Drama „Glaube Liebe Hoffnung“ des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth auf. Das Stück aus dem Jahr 1932 beschäftigt sich mit der Rezession und Arbeitslosigkeit der Weltwirtschaftskrise und der damit zusammenhängenden Ohnmacht der Gesellschaft.

Betrug fliegt auf

Elisabeth, die von Selina Holzmann und Michelle Middelhoff gespielt wird, versucht, sich mit allen Mitteln Geld zu leihen. Das braucht sie, um einen Wandergewerbeschein zu kaufen, um arbeiten zu gehen und um ihre Vorstrafen wegen Arbeitens ohne Gewerbeschein abzubezahlen. Ihr Betrug fliegt jedoch auf und Elisabeth wird zu 14 Tagen Zuchthaus verurteilt.

Ihr Vorstrafe verschweigt sie ihrem zukünftigen Mann, einem Polizisten. Doch als die Vergangenheit ans Licht kommt, platzt die Hochzeit und Elisabeth begeht Selbstmord. Die Hauptfigur wird durch die Gesellschaft in den Tod und verliert bei dem Versuch, das Leben wieder in Ordnung zu bringen, Glaube, Liebe und Hoffnung.

Der Untertitel des Stücks „Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“ spiegelt Elisabeths Leid gut wieder. Ein Theaterstück mit zwei Kursen gemeinsam aufzuführen, ist für die Literaturkurse des THG eine Premiere. „Wir haben insgesamt drei Literaturkurse an unserer Schule und wir wollten drei Aufführungen vermeiden“, sagte Lehrer Thorsten Krause, der das Stück gemeinsam mit dem Literaturkurs seines Bruders, Carsten Krause, präsentierte.

Der erste Teil des Dramas wurde von Thorsten Krauses Literaturkurs gespielt. Vor der Pause tauschten einige Schauspieler – für die Zuschauer sichtbar auf der Bühne – ihre Kleidungsstücke.

„Wir mussten natürlich manche Charakter doppelt besetzen, um allen Schülern die Möglichkeit zu geben, sich auf der Bühne zu präsentieren. Zudem haben wir auch noch eigene Szenen hinzugeschrieben“ berichtete Krause. Gut dargestellt haben die Schauspieler die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich durch jeweils krasse Schnitte.

So verkörperte Viktoria Jörgens die arme Arbeiterfrau. „Wir konnten uns die Rollen selbst aussuchen. Dadurch haben uns die ganzen Stunden im Literaturkurs sehr viel Spaß gemacht“, sagte die Schülerin. Die Interpretation des Stücks war am Donnerstag deshalb auch mit unerwartet witzigen Szenen gespickt.

Gelächter im Saal

So tobte der Saal, als die feine Gesellschaft plötzlich zu dem Lied „Bück dich hoch!“ von Deichkind tanzte. „Die Krauses haben tolle Arbeit geleistet“, sagte der Zuschauer Fabian Elffering begeistert. „Das ganze Stück war witzig und jeder Schauspieler hat seinen eigenen Charme“, ergänzte sein Freund Tim Schmidt. Dass die Aufführung im Bürgerhaus stattfand, und nicht wie in den letzten Jahren in der schuleigenen Aula, tat der Akustik, den Bühnenbildern und dem Publikum gut.