Von Flora Treiber aus dem Online-Angebot der Bergischen Morgenpost vom 22.02.2017

23 Oberstufenschüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums reisten im Februar nach Weimar. Der Besuch im KZ Buchenwald hat alle tief bewegt. Einige haben ihre Eindrücke zeichnerisch verarbeitet, andere haben ihre Gedanken aufgeschrieben.

Kevin Pfeffer fällt es immer noch schwer, den Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald in Worte zu fassen. Zu groß waren die Emotionen, die er bei der Besichtigung der Gedenkstätte gefühlt hat, zu überwältigend die Empathie, die er jetzt gegenüber Opfern des Nationalsozialismus empfindet. „Wir kannten alle historischen Fakten, aber wahre Empathie entsteht erst, wenn man durch die Gänge des KZ gelaufen ist“, sagt der 18-Jährige. Er und 22 weitere Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums hatten sich Anfang Februar auf den Weg nach Weimar gemacht, um die Spuren des Nationalsozialismus in der historischen Stadt zu erleben.

Die Schüler des Geschichte-Leistungskurses sammelten viele wichtige Erfahrungen. „In Weimar haben wir Plätze besucht, auf denen Hitler stand und Gebäude gesehen, die von den Nazis gebaut wurden. Für mich ist es unbegreiflich, was damals passiert ist. Dieses Gefühl werde ich so schnell nicht vergessen“, sagt Katharina Getzel. Nadine Steinebach hat die Reise nach Weimar wie eine Zeitreise empfunden. „Vieles war unwirklich. Die Straßen in Weimar sind alt, und die Stadt selber ist riesig“, schildert sie ihren ersten Eindruck von der Stadt. Nach der Stadtführung fuhren die Schüler nach Buchenwald. „Allein diesen Namen auf dem Busschild zu lesen, war eigenartig für uns alle“, sagt Lehrer Carsten Krause, der den Leistungskurs inhaltlich auf die Fahrt vorbereitet hat. Begleitet wurden die Schüler von Yvonne Wende und Linda Sonnborn. Für Tamara Greb war bereits die Busfahrt nach Buchenwald voll von neuen Emotionen und Empfindungen. „Ich habe mich auf der Hinfahrt darauf eingestellt, dass uns allen ein bewegendes und einschneidendes Ereignis bevorsteht. Mich hat besonders der Kontrast zwischen den Folter- und Tötungsräumen und dem Tierpark erschrocken, in dem Offiziere ihre Freizeit verbrachten. Beides, Tod und Leben, liegt ganz nah beieinander“, sagt sie. Tamara hat ihre Gefühle direkt nach dem Besuch mit einer Zeichnung verarbeitet. „Sie zeigt eine Frau, die von unzähligen Männerhänden festgehalten wird“, sagt sie. Andere Schüler, wie Kevin, haben ihre Gedanken aufgeschrieben oder Gedichte komponiert. Barbara Dargel und Lisa Hollkott haben ihre Mitschüler von einer ganz neuen Seite kennengelernt. „Viele haben geweint oder konnten nichts mehr sagen“, sagt Barbara.

Dass sich die meisten Schüler ihren Emotionen und der Angst vor dem Besuch des KZ gestellt haben, rechnet Krause seinen Schützlingen hoch an. „An dem Wochenende in Weimar haben wir Geschichte gespürt“, sagt er. Linda Sonnborn begleitet den Kurs als Referendarin bei der Nachbereitung dieser aufwühlenden Fahrt.

Nachdenklich: Tamara Greb (18) und Kevin Pfeffer (18) mit dem Buch „Buchenwald – Ausgrenzung und Gewalt“. Die Fahrt nach Weimar und der Besuch des KZ war für alle aufwühlend.
Foto: Moll (Bergische Morgenpost)