Insbesondere die inszenierten Fotografien der Wuppertaler Fotografin Alina Gross, die zur Zeit im Redaktionshaus der Bergischen Blätter in Wuppertal betrachtet werden können, sind darauf angelegt, mithilfe von Kostümen, Make-up und Requisiten Geschichten zu entwerfen, die sich jedoch erst im Kopf des Betrachters entfalten. Formen, Symbole und Bilder, die wir alle in unserem kollektiven, gemeinsamen Gedächtnis verankert haben, werden von ihr genutzt, um den Betrachter spekulieren zu lassen, was wohl vor und nach dem Drücken auf den Auslöser der Kamera passiert ist. Die Schülerinnen des Kunstkurses vermuteten, dass ein im Bild platzierter Scheinwerfer eine Bedeutung für die Bildaussage haben könne. Die Künstlerin bestätigte diese Hypothese und erklärte, dass Lichtquellen bei der Konzeption einer Fotografie keineswegs zufällig platziert werden. Vielmehr nutze sie diese als gestalterische Mittel, die auch inhaltlich gedeutet werden können. So wird der Scheinwerfer sogar selbst zum Inhalt der Geschichte, wenn er als Requisit für den Betrachter sichtbar wird, und dabei das alltägliche Spiel zwischen Schein und Sein unserer Identität entlarvt.

Die Künstlerin hatte sich bereit erklärt, den interessierten Schülerinnen jede Frage zu beantworten, um ihnen so die Arbeit einer Fotografin näher zu bringen. Lebhaft diskutiert wurde dabei auch das Berufsfeld ‚Kunst‘. So erörterte die Gruppe im Gespräch vor allem Vor- und Nachteile des oft in den Medien als glamourös dargestellten Berufes des Fotografen.

Nicht nur die Ausstellung selbst, sondern vor allem auch das persönliche Gespräch mit der Künstlerin hat den Schülerinnen vermittelt, dass hinter einer Fotografie viel mehr stecken kann als nur ein schöner Schnappschuss und dass das Betätigen eines Auslöserknopfes viel Planungs- und Vorbereitungszeit bedarf, wenn man den Betrachter, wie die Fotografin Alina Gross es formulierte, ‚länger als nur eine Minute fesseln möchte‘.